01.02.05


Pizzatest

Neuer Monat - neues Glück.
So sollte man meinen... Ist aber nicht immer so.
Nachdem ich bei meinem letzten Bericht etwas vom Heimwerken abgeschweift bin, ziehe ich mit diesem anschaulichen Bericht den Kreis wieder etwas enger.

Es war am vorheutigen Abend, als ich mich nach wochenlanger Belagerung des weiblichen Lagers dazu überreden ließ, eine Pizza von einem anderen als dem Koch meines Vertrauens zu genießen. Dieses war ein Fehler!

Merke: Niemals seinen Lieblingspizzakoch aufgeben! Auch wenn dem mal die Ölflasche beim backen in die Pizza fällt... Er die Pizza im Ofen vergisst, und sie danach wieder einweicht, um sie verzehrbar erscheinen zu lassen... oder die Mafiatorte schlicht falsch belegt ist.
All das sind in Statistiken doch nur noch Promille im Vergleich zu dem jahrelangen, immer wieder schönen und vertrauten Völlegefühl.

Jedenfalls war nun der Tag dieses "Fremdgehens" erreicht. Die Elke hat mich überredet, eben endlich die ach so tolle Pizza von dem langhaarigen Mann mit dem ergrauten Gesichtspullover zu probieren. Meine Grundmotivation zu diesem Projekt war zugegeben nicht besonders hoch...

Schon als die beiden Prachtexemplare durch die Tür schwebten, und ich sie in Empfang nahm, erkannte ich eine spontane Antisympathie - meine Pizza war unschwer daran zu erkennen, das sie bereits kalt war. Darüber täuschte mich auch nicht die ökologisch wertvolle, pfandbelegte und wiederverwendbare PVC-Verpackung hinweg. So konnte sich die zu diesem Zeitpunkt noch relativ unschuldig wirkende "Pizza" schonmal an ein ähnliches Zuhause gewöhnen. Sie sollte anschliessend in ihrem kurzem Leben nur noch die Mikrowelle und die Bio-Abfalltonne zu sehen bekommen - und natürlich mich...wie ich mit künstlich wirkendem erfreuten Gesicht dieses nie gewollte Stück Brett-Teig erblickte.

Mir fiel erschreckenderweise sofort auf, dass die fälschliche belegung mit Zwiebeln gänzlich meinem gereiztem Magen mißfiel. Ich war bei der telefonischen Bestellung anwesend, und konnte mir den Irrtum nicht erklären - Also ein kurzes, wohlwollendes Lächeln rüber zu Elke: "Sieht ganz gut aus - sind nur Zwiebeln drauf, aber die kann ich ja raussuchen - wenn ich alle gefunden habe, kann ich mir die schöne Pizza in der Mikrowelle nochmal warm machen".

Da ich ich zur Zeit unter einem rebellischem und selbstherrlichen Magen leide, weiss ich nur zu gut, was Zwiebeln unmittelbar nach dem Verzehr anrichten können... feinste Blähungen bis hin zu der Erscheinung von Kugelblitzen, so wie ein Aufstoßen vom feinsten. Im selben Zeitabstand wie ein handelsüblicher Schluckauf.

Als ich so dieses Meisterwerk eines offensichtlich drogenbetankten Menschens betrachte, kommt mir sofort und unverbindlich die Wahrnehmung einer mexikanischen Steppe, über die heulend der Wind des trockenen Sommers zieht.
Diese Pizza war unverkennbar trocken wie der Salzsee in Arizona - wie die Bürgersteigplatten nach einem harten Sommer - wie die Rückwände meines Wohnzimmerschrankes.

Ich verdrängte diese Eindrücke meisterlich und suchte nun die Zwiebeln von der Pizza, was einfach nicht möglich war, da diese offensichtlich vorsätzlich in den Belag eingepflanzt waren. Nicht wie normalerweise oben drauf - nein, bis auf den brettharten Boden verteilt. Eine schier unlösbare Aufgabe.
Anscheinend wurde das fertige Produkt dann noch mit einem Stampfer aus dem Strassenbau verdichtet, um Platz zu sparen.

Nachdem Elke vorschlug, doch schon die geräumte Hälfte zu probieren, versuchte ich die mittelalterlich wirkende Scheibe aus organischen Stoffen zu zerschneiden.
Jetzt konnte ich ein anfangs ignoriertes transpirieren nicht mehr verhindern.
Es war kaum möglich, dieses Affenbrot klein zu bekommen. Selbst mit der Hilfe Elkes und zwei Messern gelang es nur schwer und mit hohem Kraft/Zeitaufwand, was mir die unwirtschaftlichkeit dieses Produktes deutlich machte.

Mit der augenscheinlich zwiebelfreien Fläche eilte ich zielbewusst zur Mikrowelle und hoffte darauf, das Teil durch erwärmen in seinen lebensähnlichen Zustand zurück zu versetzen.
Diese Wiederbelebungsmaßnahmen schlugen gänzlich fehl, da wohl von einer der beteiligeten Personen die Zeit des Erwärmens zu hoch justiert wurde.

Diese Pizza war tot. Und das nicht erst seit zehn Minuten - soviel war sicher.

Um die aüsserst peinliche Situation gekonnt zu überspielen, eilte ich sofort zurück zum Essbereich, wo ich auf die Elke traf, welche sich offensichtlich zufrieden in der Nahrungsaufnahme befand "Meine Pizza ist perfekt - komisch. sogar der Boden ist weich" hörte ich, und lächelte dankend.

Nun wendete ich mich der mehr schlecht als recht zwiebelfreien Hälfte, und versuchte diese zu zerschneiden. Als ich vorschlug, den Dremel mit einer Trennscheibe einzusetzen, wurde dieses überraschenderweise abgelehnt. ( Somit sind wir auch mit diesem Bericht wieder beim Heimwerken )

Ich begnügte mich also frohgelaunt mit dem nutzbaren Belag, und verzehrte eben diesen - mit der Erkenntnis, dass er eben nicht zwiebelfrei war.

Seit diesem Vorfall sind gut 4 Stunden vergangen. Ich muss bei jedem zweiten Satz Pause machen, weil es mir fast die Feinrippunterhose weghaut.

An einer regen Diskussion könnte schon alleine deshalb nicht teilnehmen - einzig telefonieren geht noch. Was aber erschwert wird durch das Rülpsen, welches dem Brunftschrei eines sibirischen Bergesels gleicht.... und das im Minutentakt - jedesmal mit Zwiebelaroma.

Elke schläft wohlgenährt und zufrieden. Ich weiss nicht, welche Körperöffnung sich als nächstes meldet...Zwei Lefax haben jedenfalls keinerlei Nachlass erbracht.

Die Pizza ist übrigens kurz danach in der Biotonne zwischengelagert worden. Die Beisetzung fand im engsten Kreis statt.

Ich habe folgend ein Beweisfoto eingebracht, und mit einer Legende versehen. Dort ist kurz und präzise der jetzige Stand der Dinge erläutert.

Meine Pizza hole ich mir jedenfalls nur noch vom Pizzabäckers meines Vertrauens - auch wenn ich vor dem Verzehr das gute Stück mit vier Lagen Küchenpapier abtrocknen muss.

Beweisfoto:



Legende und Beweisaufnahme:
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1a: Teil der Pizza, welcher in der Mikrowelle getötet wurde. Aus Piätätsgründen mit dem Gesicht nach unten gelagert.

1b: Die andere Hälfte, der äusserst feindlich wirkenden Pizza

2:
Teile eines im Kühlschrank wiedergefundenen Käsekuchens aus der Weihnachtszeit.

3: Nudeln vom Wochenende ( mit dem Gesicht nach oben liegend ).